Nur drei Tage nach dem überraschenden Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau hat Russland am 28. August eine Interkontinentalrakete gestartet. Der Test erfolgte vom Weltraumbahnhof Plessezk aus und fällt damit in eine politisch hoch angespannte Phase.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, der Start habe dazu gedient, die technischen Eigenschaften des Systems zu prüfen. Die Übungssprengköpfe erreichten demnach ihre Ziele auf dem Testgelände Kura auf Kamtschatka.
Um welchen Raketentyp es sich genau handelte, teilte das Ministerium nicht mit. Nach Angaben eines ukrainischen Portals gehört die getestete Waffe zu einer Klasse, zu der auch die Typen Topol und Jars zählen. Diese Systeme reichen bis zu 10.500 Kilometer weit und könnten damit auch Ziele in den Vereinigten Staaten treffen.
Laut dem Bericht soll für die Übung ein mobiler Raketenwerfer in ein abgelegenes Gebiet verlegt worden sein, um den Start vorzubereiten. Der Ablauf deutet auf einen Test unter möglichst realistischen Einsatzbedingungen hin.
Die getestete Raketenklasse umfasst demnach Topol-Modelle mit einem Sprengkopf von 800 Kilotonnen und Jars-Systeme mit vier Sprengköpfen zu je 250 Kilotonnen. Nach Zahlen eines Friedensforschungsinstituts verfügt Russland über 271 Raketen dieser beiden Typen, darunter 78 Topol und 193 Jars.
Insgesamt soll Russland nach diesen Daten 321 Interkontinentalraketen besitzen. Das entspricht 56 Prozent seiner strategischen Trägersysteme.

Drei Tage vor dem Raketentest war CIA-Direktor John Ratcliffe überraschend nach Moskau gereist. Dort traf er sich mit FSB-Chef Alexander Bortnikow. Nach Angaben eines US-Berichts soll Ratcliffe eine ernste Einschätzung zur wirtschaftlichen und militärischen Lage Russlands im Krieg gegen die Ukraine übermittelt haben.
Die US-Regierung wählte dafür offenbar bewusst keinen üblichen diplomatischen Weg. Stattdessen sollte die Botschaft die russische Führung direkt erreichen. Hintergrund waren demnach Sorgen vor einer weiteren Eskalation mit der Nato und möglichen Schritten gegen die baltischen Staaten.
Nach Angaben eines weiteren Berichts hält der Kreml trotz wirtschaftlicher Belastungen und ukrainischer Angriffe tief im russischen Hinterland an seiner harten Linie fest. Aus dem Umfeld der Führung in Moskau heißt es demnach, auch der Einsatz taktischer Atomwaffen werde inzwischen als mögliche Option gesehen. Für eine physische Vorbereitung eines nuklearen Angriffs durch Russland gibt es aktuell jedoch keine Anhaltspunkte.
Ein Friedensforschungsinstitut beziffert den russischen Bestand solcher Sprengköpfe auf 1816. Damit verfügt Russland über das größte Arsenal dieser Art weltweit.
