Die Frage, ob ein Mensch gesund altert, lässt sich nicht allein an Blutwerten, Körpergewicht oder täglichen Schritten ablesen. Eine Studie der University at Buffalo deutet darauf hin, dass zwei einfache Krafttests wichtige Hinweise geben können: die Griffkraft und die Fähigkeit, zügig von einem Stuhl aufzustehen.
Für die Untersuchung wurden 5000 Frauen im Alter zwischen 63 und 99 Jahren über einen Zeitraum von acht Jahren begleitet. Dabei zeigte sich, dass Frauen mit höherer Muskelkraft ein deutlich geringeres Sterberisiko hatten. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem Faktoren wie Bewegung im Alltag, Herz-Kreislauf-Fitness und Entzündungswerte berücksichtigt worden waren.
Eine Verbesserung der Griffkraft um etwa sieben Kilogramm war mit einer durchschnittlich zwölf Prozent niedrigeren Sterblichkeit verbunden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Tests die Lebensdauer eines einzelnen Menschen vorhersagen können. Sie liefern vielmehr Hinweise darauf, wie belastbar der Körper im Alltag ist.
Muskelkraft ist im höheren Alter vor allem eine Frage der Selbstständigkeit. Sie hilft beim Treppensteigen, beim sicheren Aufstehen, beim Tragen und dabei, sich vor Stürzen zu schützen. Krafttraining steht deshalb nicht nur für sichtbare Muskeln oder sportliche Ziele. Es kann dazu beitragen, länger aktiv am eigenen Leben teilzunehmen.
Die Griffkraft lässt sich zunächst mit einem einfachen Drucktest prüfen, etwa mit einem Tennis- oder Stressball. Joshua Davidson, ein Kraft- und Konditionsforscher, beschreibt als Richtwert, einen maximalen Druck etwa 15 bis 30 Sekunden halten zu können, bis die Hand ermüdet. Werden die Werte regelmäßig notiert, lässt sich die Entwicklung beobachten. Genauere Messungen erfolgen in klinischen Studien mit einem Hand-Dynamometer oder Handkraftmessgerät.
Für die wissenschaftliche Beurteilung bleibt ein solches Messgerät genauer als ein Ball. Auch der Stuhltest sollte kontrolliert und sicher ausgeführt werden. Bei Unsicherheit, Schmerzen oder gesundheitlichen Einschränkungen ist eine medizinische oder physiotherapeutische Einschätzung der passende Weg.
Die Ergebnisse stellen Ausdauertraining nicht infrage. Herz-Kreislauf-Gesundheit bleibt wichtig. Die Studie macht vielmehr deutlich, dass Ausdauer und Kraft unterschiedliche Aufgaben erfüllen und sich ergänzen. Studienleiter Michael LaMonte erklärte, dass das Gehen zunehmend schwierig werden kann, wenn die Kraft nicht mehr ausreicht, um aufzustehen oder den Körper gegen die Schwerkraft zu bewegen.
Für den Alltag können regelmäßiges Aufstehen, Kniebeugen, Treppensteigen, Tragen und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht sinnvoll sein. Entscheidend ist nicht extreme Belastung, sondern eine regelmäßige und angemessene Nutzung des Körpers.
Muskelkraft ist dabei kein Garant für ein langes Leben. Sie kann sich im Laufe der Zeit verändern und wird von vielen gesundheitlichen Faktoren beeinflusst. Dennoch zeigen die einfachen Bewegungen, wie eng körperliche Stärke, Sicherheit und Selbstständigkeit miteinander verbunden sind.
Gesundheit lässt sich nicht vollständig erzwingen oder kontrollieren. Bewegung, bewusste Ernährung und achtsamer Umgang mit dem eigenen Körper können jedoch dazu beitragen, vorhandene Möglichkeiten zu erhalten. Der Wert von Kraft liegt deshalb nicht nur in Leistungsfähigkeit, sondern auch in Stabilität, Selbstständigkeit und Dankbarkeit für den Alltag.
