In Momenten tiefster Trauer oder extremer emotionaler Belastung kann das Herz auf eine Weise reagieren, die einem Infarkt täuschend ähnlich sieht. Wer unter dem Broken-Heart-Syndrom leidet, verspürt oft eine beängstigende Enge in der Brust, leidet unter Atemnot und Schmerzen. Selbst klinische Marker im Blut deuten zunächst auf einen klassischen Herzinfarkt hin, was verständlicherweise große Verunsicherung auslöst.
Bei einer genaueren Untersuchung der Herzkranzgefäße offenbart sich jedoch ein entscheidender Unterschied: Es finden sich keine Verstopfungen, wie sie für einen Infarkt typisch wären. Stattdessen reagiert der Herzmuskel auf eine Flut von Stresshormonen und verkrampft, wodurch sich die Hauptpumpkammer verformt. In der Medizin wird dieses Phänomen als Takotsubo-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie bezeichnet. Schätzungen zufolge verberge sich hinter etwa zwei Prozent aller vermeintlichen Herzinfarkte dieses emotionale Leiden.
Die Ursachen liegen oft in der genetischen Veranlagung, die darüber entscheidet, wie empfindlich der Körper auf Hormone wie Adrenalin reagiert. Beobachtungen zeigen, dass die Störung familiär gehäuft auftreten kann, etwa bei Geschwistern, und bei Patientengruppen in fünf bis zehn Prozent der Fälle wiederkehrt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Frauen nach den Wechseljahren, die etwa 90 Prozent der Betroffenen ausmachen. In dieser Lebensphase können schmerzhafte Einschnitte wie der Verlust des Partners das ohnehin empfindliche System aus dem Gleichgewicht bringen.
Trotz der emotionalen Wurzeln ist der Zustand körperlich ernst zu nehmen. In der Akutphase kann die verringerte Pumpleistung des Herzens zu einem kardiogenen Schock führen, bei dem der Organismus nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Daher ist eine sofortige intensivmedizinische Überwachung lebensnotwendig, um die Betroffenen sicher durch diese Zeit der extremen Belastung zu führen. In den meisten Fällen erholt sich das Herz jedoch wieder, sobald Ruhe einkehrt und die akute Stressreaktion abklingt.
