Hoher Blutdruck kann Angst machen, besonders wenn die Sorge vor späteren Gedächtnisproblemen hinzukommt. Zugleich zeigt eine große chinesische Studie, dass eine konsequente Behandlung einen wichtigen Unterschied machen kann: Bei den behandelten Dorfbewohnern war das Demenzrisiko um 15 Prozent niedriger.
Bluthochdruck zählt zu den größten beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Nach Angaben der Deutschen Hirnstiftung schädigt ein dauerhaft erhöhter Blutdruck auch die Gefäße im Gehirn und beeinträchtigt dadurch die Durchblutung sowie den Stoffwechsel. In der Folge kann die Gedächtnisleistung abnehmen.
Für die Studie untersuchten Forscher um die Professoren Yingxiang Sun und Shanshan Zhong von der China Medical University in Shenyang knapp 34.000 Menschen aus insgesamt 326 Dörfern. Die ausgewählten Dorfbewohner waren über 40 Jahre alt und hatten alle einen unbehandelten systolischen Blutdruck von mindestens 140 mmHg oder einen diastolischen Blutdruck von mindestens 90 mmHg.
Der systolische Blutdruck bezeichnet den Druck beim Herzschlag, wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und sauerstoffreiches Blut in die Gefäße pumpt. Der diastolische Blutdruck misst den Druck auf die Gefäße, wenn der Herzmuskel erschlafft. Dieser Wert liegt deshalb normalerweise niedriger als der systolische Druck. In schweren Fällen können beide Werte erhöht sein.
Als nicht erhöht gilt ein Blutdruck von unter 120/70 mmHg. Als erhöht gelten systolische Werte von 120 bis 139 mmHg oder diastolische Werte von 70 bis 89 mmHg. Von Hypertonie sprechen die angegebenen Kriterien bei einem systolischen Wert von mindestens 140 mmHg oder einem diastolischen Wert von mindestens 90 mmHg.
In der Hälfte der Dörfer setzten die Wissenschaftler, die zur Arbeitsgruppe des chinesischen Programms zur Bekämpfung von Bluthochdruck in ländlichen Gebieten gehörten, Pflegekräfte ein. Diese Gemeindeschwestern behandelten die Bewohner mit Bluthochdruck und verabreichten ihnen blutdrucksenkende Medikamente. Ziel war ein systolischer Blutdruck unter 130 mmHg und ein diastolischer Blutdruck unter 80 mmHg. Die Therapie erfolgte nach einem festgelegten Protokoll und unter der Aufsicht von Hausärzten.
Die Behandlung dauerte vier Jahre. Anschließend wurden die Bewohner weitere drei Jahre beobachtet. In der anderen Hälfte der Dörfer gab es während dieses Zeitraums keine gesonderten medizinischen Behandlungen.
Die Ergebnisse wurden Ende August auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt. In der behandelten Gruppe sank der systolische Blutdruck im Durchschnitt um 17,6 mmHg, in der unbehandelten Gruppe dagegen nur um 2,4 mmHg. Nach vier Jahren lag der Blutdruck in der ersten Gruppe durchschnittlich bei 128/73 mmHg, in der zweiten bei 148/81 mmHg.
Bemerkenswert war für die Forscher, dass der Effekt nicht nur nach den vier Jahren Behandlung sichtbar war. Er blieb auch während der anschließenden dreijährigen Beobachtungszeit bestehen.
Insgesamt hatten die behandelten Dorfbewohner ein um 15 Prozent geringeres Demenzrisiko als die unbehandelten. Das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen war bei ihnen um 13 Prozent niedriger.
„In dieser großen, gemeindebasierten Studie führte eine skalierbare Intervention durch nicht-ärztliche Gesundheitsdienstleister sowohl zu einer erheblichen Senkung des Blutdrucks als auch zu einer Verringerung des Demenzrisikos“, sagte Sun. Die Ergebnisse würden untermauern, wie wichtig es sei, die strukturierte Kontrolle des Blutdrucks langfristig in die Demenzprävention zu integrieren.
Neben Bluthochdruck gibt es insgesamt 13 weitere Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung im höheren Alter:
- Geringe Bildung
- Schwerhörigkeit
- Hohes LDL-Cholesterin
- Depression
- Hirntraumata, zum Beispiel durch Kontaktsportarten
- Bewegungsmangel
- Diabetes mellitus
- Rauchen
- Fettleibigkeit
- Exzessiver Alkoholkonsum
- Soziale Isolation
- Luftverschmutzung
- Verlust der Sehkraft
Regelmäßige Bewegung, die Kontrolle der Cholesterinwerte sowie Hör- und Sehtests können dazu beitragen, beeinflussbare Risiken möglichst gering zu halten. Die Studie macht zugleich deutlich: Eine verlässliche Blutdruckkontrolle kann ein wichtiger Bestandteil der Demenzprävention sein.
